Dr. Heinrich Klockenhoff, Obituary

17. 9. 1937 - 20. 2. 1984

Am Morgen des Montags, 20 Februar 1984, erreichte uns die bestürzende Nachricht, daß unser Kollege Heinrich Klockenhoff in der vergangenen Nacht gestorben sei. Für seinen Tod gab es keine Vorwarnung, und so traf diese Nachricht die Mitarbeiter des Instituts völlig überraschend.

Heinrich Klockenhoff wurde am 17 September 1937 in Holzwickede, Kreis Unna, geboren, machte 1959 in Schwerte das Abitur und studiert in Tübingen und Bonn Zoologie, Botanik und Phytopathologie. Vor und nach seiner Promotion - 1965 bis 1967 am Institut für Angewandte Zoologie in Bonn - war er in Kabul tätig: von 1962 bis 1964 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am zoologische-parasitologischen Institut und vom 1. 1. 1968 bis 31. 3. 1970 als Dozent für Zoologie. Während seines zweiten Aufenthaltes in Afganistan unterstand ihm auch die wissenschaftliche Leitung sowie der Auf- und Ausbau des Zoologischen Gartens von Kabul and die Beratung der Regierung in Naturschutzfragen.

Nach seiner Rückkehr wurde Heinrich Klockenhoff zum wissenschaftlichen Assistenten der Universität Bonn ernannt, und er war freier Mitarbeiter unseres Instituts. Erst am 1. 11. 1971 wurde er in das Zoologische Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig übernommen. Nach der Aufteilung der "Entomologischen Abteilung" in vier einzelne Abteilungen übernahm Dr. Klockenhoff die Abteilung "Mallophagen" und betreute zudem die Odonaten, Orthopteren, Hemipteren und Homopteren. Seine Abteilung wurde später in "Abteilung für entomologische Parasitologie" umbenannt.

Das Schwergewicht der wissenschaftlichen Arbeit Klockenfoffs lag bei den Mallophagen und dort bei der systematischen Bearbeitung der schwierigen Gattung Myrsidea. Seine wissenschaftlichen Publikationen könnten den Verdacht aufkommen lassen, er wäre sehr eng spezialisiert gewesen; dies trifft in mehrfacher Weise nicht zu. Da nahezu jeder Museumswissenschaftler verpflichtet ist, Determinationen für interessiert Laien durchzuführen, hatte sich Klockenhoff im Laufe der Jahre in zahlreiche Mallophagengattungen bestens eingearbeitet. Mit dem angeeigneten Wissen hatte er die notwendige Basis erworben, um die systematischen Beziehungen zwischen den Gattungen und Familien näher untersuchen zu können. Von Myrsidea ausgehend hatte er die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Amblycera klären wollen; insbesondere interessierte ihn die relative Position von Myrsidea und Menacanthus. Daneben reizte es Klockenhoff seit langem, das System der Singvögel mit den Methoden der vergleichenden Parasitologie über weitere Mallophagengattungen zu erhellen. Als erstes war eine Revision der Gattung Sturnidoecus vorgesehen. Neben diesen phylogentisch-taxonomischen Arbeiten beschäftigte sich Klockenhoff seit langem mit einem Verzeichnis der Wirte von Mallophagen. Dieses Verzeichnis sollte es dem Benutzer ermöglichen, von jeder Wirtsart alle bisher nachgewiesenen Mallophagenarten zu erfahren. Ein solcher Index erleichtert das Bestimmen von Federlingen ganz außerordentlich.

Da wir beide mit einem Thema über Mallophagen promoviert hatten, war es naheliegend, daß wir seine Forschungsvorhaben, Ergebnisse und Probleme miteinander besprachen. Gemeinsam (mit W. Wink) beschäftigten wir uns mit dem Phaenomen des Massenbefalls und versuchten, die Massenvermehrung von Mallophagen experimentell zu untersuchen (unveröffentlicht). Daraus entwickelte sich eine enge Freundschaft.

Über den engeren wissenschaftlichen Bereich hinaus war er für uns alle ein guter Kollege. Er war stets bereit für ein persönliches Gespräch, für eine Diskussion eines großen und auch eines kleiner Problems. Diese Bereitschaft zum offenen Gedankenaustausch is mir selten in so rücksichtvoller Freimütigkeit begegnet. So kann es nicht erstaunen, daß er die letzten zweieinhalb Jahre vor seinem Tod der Vorsitzende de Personalrates war und in dieser Funktion sein Bestes gab. Hier kam seiner Fähigkeit zum besonnenen Engagement, zum beharrlichen Taktieren und zum friedfertigen Miteinander besondere Bedeutung zu.

Rückschauend können wir heute erkennen, daß er sich in den letzten Jahren übernommen hatte. 1981/82 baute er für seine Familie und sich ein Haus, wobei er seiner Veranlagung gemäß jedes Detail sorgfältig plante. Seit Anfang 1983 ging es seinen Eltern sehr schlecht, so daß er nahezu jedes Wochenende nach Unna fahren mußte; Ende 1983 starb der Vater, und Klockenhoff hatte sich um den Nachlaß und die Versorgung seiner leidenden Mutter zu kümmern. Und zudem war er nicht gesund: sein Kreislauf war instabil, und er hatte erhebliche Beschwerden mit den Bandscheiben. Er starb unversehens an einem Herzinfarkt, nachdem er am Vortag völlig gesund erschien.

Goetz Rheinwald

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